Von Stephan Speicher – Skat, Fußball, Tanzen? Nicht mit Johannes Calvin. Der Mann, den kaum einer mochte, wird 500 Jahre alt und bereichert noch immer die Bücherregale.
Johannes Calvin ist keine populäre Figur, nicht in Europa. Die Strenge, mit der er Genf theologisch und moralisch reformierte, erschien vielen, Katholiken wie Lutheranern, unmenschlich, er selbst als ein Mann von kaltem Fanatismus. Die Bilder, die es von ihm gibt, widersprechen dem nicht. Sie zeigen ein hageres, scharf geschnittenes Gesicht; selbst der Freund und Nachfolger Theodor Beza sprach von “finster dreinblickenden Augen, die bis zu seinem Tod hellwach blieben”. Die Bücher, die jetzt zum 500. Geburtstag Calvins am 10. Juli 1509 erschienen sind, beginnen alle mit der Feststellung, wie umstritten Calvin sei. Über Luther spricht man nicht so.
Der einfachste Fall ist der zugleich prominenteste, der Fall des Michael Servet. Servet war ein spanischer Theologe, der als Leugner der Trinität auf Betreiben Calvins in Genf 1553 verhaftet, verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Die Sache hat Calvins Ansehen unendlich geschadet, Voltaire hasste ihn dafür.