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Wir werden schleichend enteignet – Von Hubert Burda

Die Diskussion über die Finanzierungsmöglichkeiten im Internet ist fast so alt wie das Netz selbst. Ich erinnere mich an eine Gesprächsrunde mit hochkarätigen Vertretern der digitalen Welt. Damals, 1995, ging es darum, wo zukünftig im Netz die höchsten wirtschaftlichen Potentiale lägen.

Ein Teil der Runde, angeführt von Bill Gates, vertrat die Auffassung, in der Werbung. Für die anderen, zu denen auch ich zählte, waren es die Transaktionserlöse. Heute wissen wir: Beides ist richtig. Doch damals konnte kein Mensch ahnen, dass der Löwenanteil der Onlinewerbung nicht unmittelbar an Inhalte geknüpft sein würde, wie wir es damals kannten, zum Beispiel an journalistische Angebote im Netz, sondern an die Algorithmen marktdominierender Suchmaschinen, die auf diese Inhalte verlinken.

Onlinewerbung funktioniert. Aber sie landet vor allem bei Suchmaschinen wie Google oder Yahoo. Dort werden online weit höhere Umsätze erzielt als mit den Websites der Verlage. Zwar profitieren journalistische Angebote auch davon, dass Suchmaschinen die Nutzer an sie weiterleiten. Sie profitieren ebenfalls davon, dass sie einen Anteil an den Werbeerlösen der Suchmaschinen erhalten. Dennoch bleibt zu konstatieren, dass dies kein tragfähiges Geschäftsmodell für journalistische Qualität im Internet ist. Die Einnahmen decken bei den meisten Angeboten nicht annähernd die hohen Kosten, die für die Erstellung qualitätvoller journalistischer Inhalte aufgebracht werden müssen. Wir debattieren daher in zunehmendem Maße darüber, ob wir es weiter akzeptieren können, wenn andere kommerzielle Anbieter aus unseren Angeboten und damit von unserem originären journalistischen Handwerk einen größeren wirtschaftlichen Nutzen ziehen, als wir selbst es tun.

Schutz auch für Verlage

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