Wir sind so toll! – Von Peter O. Chotjewitz

Eliten in der (Finanz-)Krise: Da kommt der 65. Jahrestag des Anti-Hitler-Putschs gerade recht – so stümperhaft und reaktionär er auch war

Ich weiß nicht, warum mir bei dem Wort “Elite” immer das Anagramm “eitel” einfällt. Dabei habe ich nichts gegen Eitelkeit, schon gar nicht gegen männliche, die sich in maßgeschneiderter Kleidung und mit guten Manieren präsentiert wie etwa Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein, als er Mitte vergangener Woche die erfolgreiche Wiedergeburt des Derivate-Zockens verkündete.

Das Grimm’sche Wörterbuch online kennt keine Elite. Es kennt Elger und Elk. Dazwischen ist Ruh. Wikipedia soziologisch kennt so viele, dass jeder, der eine Spitzenposition (inne)hat, eine Elite ist: Jupp Reemtsma, Boris Becker, Günter Grass, Dieter Bohlen, Jesus Christus, der Prophet Ali und natürlich auch Ali Baba und die dicke Domina im Quartier der Freuden.

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Kann man der Wissenschaft vertrauen? Lieber nie. Ralf Dahrendorf kannte eine Million, hauptsächlich FDP-Wähler. Ein Institut in Potsdam kam kürzlich auf viertausend. Ich fürchte, da waren einige zehntausend Eliten beleidigt.

Man sollte das Wort meiden, weil die Fotos so peinlich sind. Nicht nur Kaiser Wilhelm beim Sackhüpfen, Friedrich Ebert in der Badehose und Claudia Roth in einer Art Kleid auf dem Bayreuther Festspielhügel. Das Fotoalbum der Eliten ist eine Skandalchronik der Versager. Auf einem Foto zum Tag der sudetendeutschen Landsmannschaft sah man kürzlich die Erzeliten Chamberlain, Daladier, Mussolini und Hitler. Wie sie dastehen, wie sie glotzen, jeder eine Inkarnation des Bibelworts “Denn sie wissen nicht, was sie tun”. Typisch Elite.

Eliten wissen nicht, was sie tun

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