Wie man dem Zensor in die Suppe spuckt – Von Michael Müller

Der neue Superstar des chinesischen Internets erinnert an ein Alpaka: Er hat einen kleinen rundlichen Kopf, zwei schwarze Punkte als Augen und rosa Wangen. Rechts und links am Kopf sind winzige Knopföhrchen zu erkennen. Sein langer Hals geht direkt in einen wurstähnlichen Körper über, dazu noch vier kurze Strichbeine. Seit Wochen versetzt das kleine Ding die Online-Welt Chinas in helle Aufregung. Sein Name: Cao ni ma.

Von dem niedlichen Tierchen scheint eine unglaubliche Anziehungskraft auszugehen: Innerhalb von nur zwei Monaten wurde das dazugehörige Internetvideo mehr als 1,4 Millionen Mal aufgerufen. Mittlerweile gibt es ein Dutzend neuer Videos. Gibt man bei „YouTube“ die chinesischen Zeichen ein, werden 207 Treffer gemeldet.

Im Januar 2009 war zum ersten Mal von dem kleinen Alpaka die Rede. Seine Geschichte erzählt sich wie folgt: Eine Cao-ni-ma-Herde lebt friedlich und zufrieden in der abgeschiedenen Wüste Male Gebi. Die Tiere sind mutig, zäh und trotzen den harschen Lebensbedingungen. Eines Tages fällt eine Horde Flusskrebse (chinesisch: Hexie) in das Gebiet ein, frisst unersättlich das spärliche Gras auf und bedroht die Existenz der Alpakas. Diesen gelingt es, den Angriff abzuwehren und die Flusskrebse in die Flucht zu schlagen. Auf den ersten Blick scheint die Geschichte wenig aufregend. Doch es steckt etwas dahinter. Hier tobt ein Kampf zwischen animalisierten Internetzensoren, verkörpert durch die Flusskrebse, und den Alpakas als Vorkämpfern für Freiheit im Internet.

Doppelsinnige Namen

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