Von Daniel Eckert Und Holger Zschäpitz – Heike Faller ließ 10 000 Euro für sich arbeiten und sah zu, wie sie zu einer “Närrin des Zufalls” wurde. In einem Buch erzählt sie ihre Geschichte
Irgendwann in Kapitel neun ihres Buches ist Heike Faller dem Reichtum so nah, wie zu keinem Zeitpunkt sonst. Sie sitzt mit drei Männern in der Lobby eines Fünfsternehotels im kurdischen Erbil und lotet mit ihnen, ein Glas Whisky in der Hand, Investmentchancen aus. Das Problem ist nur: Faller kann nicht wissen, dass die irakische Bank, deren Aktien ihr angeboten werden, sich im Wert fast verdoppeln wird. Also investiert sie nur einen Bruchteil ihres Geldes in die Investment Bank of Iraq. 60 Seiten vorher hat sie den Beschluss gefasst, nicht mehr selbst zu arbeiten, sondern das Geld für sich schuften zu lassen. Nicht ganz freiwillig. Ihr Job als Redakteurin droht in den Strudel der Medien-Krise zu geraten. Also startet sie einen Selbstversuch. Innerhalb eines Jahres, für das sie sich Auszeit vom Beruf nimmt, will sie 10 000 Euro verdoppeln und darüber schreiben. Ergebnis ist das jetzt erschiene Buch “Wie ich einmal versuchte, reich zu werden. Mein Jahr unter Spekulanten”.
Dass sie mit einem linken Tabu bricht, kümmert sie herzlich wenig. Nach der Marx’schen Arbeitswertlehre wird Geld gefälligst durch schweißtreibende Maloche verdient, nicht durch gesellschaftlich unproduktive Spekulation ergaunert. Der Tabubruch kommt uns zugute. Denn die Abenteuer im Reich des Kapitals, zu der sich die studierte Ethnologin mit der feinen Beobachtungsgabe aufmacht, sind höchst unterhaltsam und lehrreich.
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