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Wider die Vereinnahmung – Von Michael Brenner

Wenn Christen Juden noch immer «bekehren» wollen, haben sie aus der Geschichte nichts gelernt

Das Verhältnis der christlichen Kirchen zum Judentum ist, um das Mindeste zu sagen, ambivalent gewesen. Duldung und Gewalt gingen Hand in Hand. Ein Überbleibsel aus gar nicht so ferner Zeit ist die christliche Judenmission – die Christen als einen Akt der Liebe verstehen können. Doch solch vereinnahmende Liebe ist nicht weniger intolerant als Gewalt.

«In der Aula zu Toledo / Klingen schmetternd die Fanfaren; / Zu dem geistlichen Turnei / Wallt das Volk in bunten Scharen.» – So beginnt Heinrich Heine eine Disputation in seinen «Hebräischen Melodien», die auf inszenierte mittelalterliche Streitgespräche zwischen jüdischen und christlichen Geistlichen Bezug nimmt. Bei Heine schwingen die Mönche in freudiger Voraussicht schon die Weihwasserkübel, während ihre jüdischen Kontrahenten ebenso hoffnungsfroh die Beschneidungsmesser wetzen. Doch die christliche Königin Donna Blanka setzt dem heiligen Treiben ein gar unheiliges Ende, als sie ermüdet nach zwölfstündiger Auseinandersetzung um theologische Wahrheiten ganz und gar respektlos verkündet: «Welcher Recht hat, weiss ich nicht – / Doch es will mich schier bedünken, / Dass der Rabbi und der Mönch, / Dass sie alle beide stinken.»

Ein Symptom?

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