Im Markt für populärwissenschaftliche Bücher gilt oft die Regel: Je markiger und eindimensionaler die Thesen, desto mehr Aufmerksamkeit darf der Autor erhoffen.
Dies gilt besonders für Werke, die sich an der Grenze zwischen Psychologie und Biologie bewegen und uns beispielsweise erklären wollen, warum Frauen angeblich nicht einparken können. Die auf Darwin zurückgehende und als unantastbar betrachtete Theorie der sexuellen Auslese mit ihren promiskuösen Männchen und zurückhaltenden Weibchen bietet oft die Rechtfertigung für die Deutungen und Schlussfolgerung dieser Werke.
Doch Darwins Theorie der sexuellen Auslese ist nicht sakrosankt. Vor drei Jahren erschien im Wissenschaftsmagazin „Science“ eine Arbeit unter der Federführung der Stanford-Professorin Joan Roughgarden, die argumentierte, die Theorie der sexuellen Auslese sei grundlegend falsch und müsse von einer Theorie der kooperativen sozialen Auslese ersetzt werden. In der gleichen Ausgabe reagierten mehr als vierzig namhafte Biologen in Leserbriefen mit nahezu einhelliger Ablehnung. Ihr Tenor war, Roughgardens Theorie biete nichts wirklich Neues und sei nur ein Spiel mit Formulierungen, die die Substanz der Theorie der sexuellen Auslese im Kern unangetastet ließen.
Eine Theorie der sozialen Auslese
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