Bologna will ein einheitliches europäisches Hochschulwesen schaffen. Robert Stockhammer, Professor für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften an der LMU München, erklärt, warum das nicht funtioniert
Die ständige Klage über “Bologna” bringt nichts, da hat Wolfgang Seibel recht. Nicht nur Professoren, sondern alle, die es angeht, können und sollten die Pflicht zur Einrichtung neuer Studiengänge dazu nutzen, sich grundlegende Gedanken darüber zu machen, welche Ziele sie verfolgen und welche dieser Ziele man in den neuen Studiengängen möglicherweise sogar besser erreichen kann als in den bisherigen. Dabei sind selbst kleine Veränderungen in Details des Studienplans nicht uninteressant, weil sie oft von der grundsätzlichen Frage danach, was man Studenten eigentlich beibringen kann und will, nicht zu trennen sind. Deshalb können einen manchmal sogar Vorgaben, die auf den ersten Blick als Zwänge erscheinen, auf neue Gedanken bringen. Oft genug klagen Studenten etwa darüber, dass die Veranstaltungen, die sie besuchen, so gar nichts miteinander zu tun haben; warum also nicht Module einführen, in denen zwei oder mehr Veranstaltungen besser miteinander verzahnt sind? Dies zum Beispiel lässt sich in Bachelor- und Master-Studiengänge (im Folgenden BA und MA, Anm. d. Red.) besser einbauen als in Magister-Studiengänge. Bei aller Lust an der kreativen Desorientierung, die ich mit den verbliebenen Magister-Studenten noch heute teile: Bestimmte BA-Studiengänge haben einzelne Vorteile.