Wie ein Radikaler sieht Edward T. Chambers nicht gerade aus.
Er könnte als alternder Reporter oder emeritierter Professor durchgehen, und wenn er Soziologie gelehrt hätte, käme das der Wahrheit schon sehr nahe. „Es geht um Macht. Alles geht immer und überall um Macht. Du kriegst im Leben nichts, wenn Du keine Macht hast“, sagt er, und schon hat man eine Ahnung, warum sich Chambers als Radikaler versteht.
Seit 1972 nennt er sich sogar den Radikalen der Radikalen. Damals folgte er Saul Alinsky, dem Direktor der „Industrial Areas Foundation“, der Ende der dreißiger Jahre den „Back of the Yards Neighborhood Council“ gegründet hatte, eine Nachbarschaftshilfe im berüchtigten Schlachthofviertel Chicagos, besser bekannt als „The Jungle“. Hier wurde Alinsky zum Radikalen, nicht weil er den Umsturz predigte, sondern weil er an die Wurzeln ging. „Du sollst die Mächtigen nicht um Hilfe bitten, Du sollst eine Entscheidung treffen und damit zu den Mächtigen gehen“, ist eine der Regeln, die Chambers von Alinsky gelernt hat, eine der Regeln, die aus dem „Dschungel“ eine Gemeinschaft formen sollte.
Amerikanischer könnte die Radikalität nicht sein