“NO NATURE – NO IMPACT” – Von Martina Franzen und Peter Weingart

Wissenschaftliches Publizieren ist nicht mehr das, was es einmal war.

Diese Erfahrung machte im vergangenen Jahr Jörg Klewer*, die Personifizierung des neuen Typs des dynamischen, international orientierten Nachwuchswissenschaftlers. Um eine der begehrten Postdoc-Stellen im führenden biomedizinischen Labor des Landes zu bekommen, galt es die Ergebnisse seiner Dissertation bestmöglich zu platzieren. Es sollte sein erster Artikel in einer international sichtbaren, hochrangigen Zeitschrift sein, denn die Institutsleitung ließ keinen Zweifel daran: Zukünftige Karrierechancen und Gehaltszulagen gab es seit der letzten Evaluierung durch den Wissenschaftsrat nur für Publikationen in Zeitschriften mit hohem Impact-Faktor (IF). Sie folgte damit dem internationalen Trend im Allgemeinen und dem Exzellenzregime der Wissenschaftspolitik im Besonderen. Auf EU-Ebene wird, das wusste Klewer, an Listen gearbeitet, die die Zeitschriften in ein Ranking nach ihrem IF brachten. Nur Publikationen in den Top-Zeitschriften sollen überhaupt noch in den Evaluierungen berücksichtigt werden. Es bestand für ihn daher keine Wahl: Er musste im ersten Schritt versuchen, seinen Artikel in Science, Nature oder Cell unterzubringen. Nature erschien ihm am besten geeignet, ihr IF liegt bei fast 29, und der Slogan “No Nature, no Impact” auf den Werbeprospekten kündete von protzigem Selbstbewusstsein. Abschreckend ist zwar die Akzeptanzquote von 8 Prozent, dachte er, aber bei den anderen beiden Zeitschriften ist diese nicht günstiger.

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