Nicht alle Tibeter stimmen seinem “Mittleren Weg” für ein autonomes Tibet zu. Der Dalai Lama über das alte Tibet, die Uiguren und die Unterstützung durch chinesische Oppositionelle
taz:
Eure Heiligkeit, manche Menschen tun sich schwer mit den Tibetern, weil sie meinen, sie repräsentieren ein altes Feudalsystem, dem sie noch nachtrauern. Wie sehen Sie Tibets Vergangenheit, als China noch nicht dort geherrscht hat?
Dalai Lama: Natürlich war damals vieles rückständig und reformbedürftig, wie in anderen Ländern. Kein einziger Tibeter, mich eingeschlossen, wünscht sich die Restauration des alten Systems, wirklich niemand. Daran gibt es keinen Zweifel. Die chinesische Propaganda ist an dem Punkt bedeutungslos. Ich habe unmittelbar nach der Übernahme der Regierungsverantwortung und der Rückkehr aus einem kurzen Exil im Yarlung-Tal ein Reformkomitee ins Leben gerufen. Das war im Jahr 1952. Unter anderem wurden damals Bauern aus der Schuldknechtschaft befreit. Das war nicht einmal der Beginn der Reformen. Bereits der 13. Dalai Lama hat Schritte zu einem grundlegenden Wandel initiiert. Auch er wusste, dass unser System reformiert werden muss. Er hat dafür gesorgt, dass Schüler nach Indien und sogar nach England gegangen sind, um zu lernen und ihre Kenntnisse wieder nach Tibet zurückzubringen.
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