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Mit den Zähnen Onettis – Von Arno Widmann
Als ich sehr spät, erst während meines Literaturstudiums, ich war Anfang zwanzig, die Lateinamerikaner entdeckte, war das wie ein Befreiungsschlag.
Gabriel Garcia Marquéz, Mario Vargas Llosa, Julio Cortázar, dann auch Juan Carlos Onetti, öffneten mir die Augen für die Vielfalt der möglichen Schreibarten. Im Seminar in Wien gab es nur den Realismus, der seine große Zeit gehabt hatte, aber jetzt nicht mehr möglich war, und eine sprachartistische Avantgarde, die längst auch sehr in die Jahre gekommen war. Das war alles. Eine karge Landschaft. Die Lateinamerikaner dagegen spielten mit Worten, Figuren, mit Plots, mit allem, das einen Roman ausmacht und noch mit vielem anderen dazu.

So spricht Daniel Kehlmann, Jahrgang 1975 und, seit 2005 “Die Vermessung der Welt” erschien, einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Romanautoren. Er sitzt, den rechten Fuß aufs Knie des linken Beines legend, entspannt in einem Sessel auf dem Podium des Frankfurter Cervantes-Institutes. Ihm gegenüber hat der von ihm beredt bewunderte Mario Vargas Llosa Platz genommen, geboren 1936, einer der bekanntesten Autoren Lateinamerikas.

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