Junge Musiker des West Eastern Divan Orchestra lernen beim 4. Rolandseck-Festival die Feinheiten des Dialogs – nicht nur der Instrumente
“Breath!”, ruft Chaim Taub und ermuntert die Oboistin Tamar Inbar, sich im dritten Satz von Mozarts Es-Dur-Bläserquintett mehr Zeit zu nehmen, um die Reprise des Hauptthemas zu intonieren. “Okay!”, nickt sie und wiederholt nach kurzem Nachdenken die Phrase, freier und spielerischer als vorher. Jetzt klingt es sprechend, ausdrucksvoll, plastisch. Taub nickt anerkennend und verfolgt, in der Partitur blätternd, aufmerksam die musikalischen Antworten von Klarinette, Horn und Fagott. Dann unterbricht er wieder. Der Klang solle mehr aus dem Rücken kommen, rät er dem Pianisten Bishara Harouni und malt mit imponierend großen Geigerhänden Phrasierungen in die Luft.
Der 84-jährige Taub, einst Konzertmeister des Israel Philharmonic Orchestras, leitet im Arp-Museum Rolandseck bei Bonn einen Kammermusik-Meisterkurs im Rahmen des vierten Rolandseck-Festivals und wandert zwischen drei Probenräumen. Er schaut herein, arbeitet nur noch am Feinschliff und unterbricht selten, dann aber mit Nachdruck. Immer geht es ihm um den musikalischen Ausdruck, den großen Bogen und um das Ausmerzen von Oberflächlichkeiten und bloß mechanischer Virtuosität.
“Don’t kill us”
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