NAVIGATOREN DURCH DIE KULTURELLE WELT Der Philosoph Marcus Beiner und die Geisteswissenschaften
Die Geisteswissenschaften stehen im Regen, auch wenn sie sich neuerdings lieber Kulturwissenschaften nennen. Ein deutscher Ministerpräsident und Manager sprach schon vor Jahren abwertend von “Diskussionswissenschaften”. Beim Kampf um Stellen, Betriebs- und Forschungsmittel kommen die Geisteswissenschaften nur noch unter ferner liefen ins Ziel.
Der im Wissenschaftsmanagement tätige Philosoph Marcus Beiner untersucht nicht die Gründe, warum die Geistes- und zum Teil auch die Sozialwissenschaften so ins Hintertreffen gerieten. Diese Gründe sind vielfältig auch hausgemacht. Geisteswissenschaften haben einen bedenklich schlechten Ruf und stehen unter permanentem Rechtfertigungsdruck. Beiner dagegen geht in die Offensive und fragt, was Geisteswissenschaften eigentlich machen. Und er stellt die Grundsatzfrage, ob die Art, wie Geisteswissenschaften arbeiten, nicht vielleicht doch zu einem Paradigma für alle Wissenschaft taugten. Zumindest dann, wenn man aufzeigen könnte, “dass ein am geisteswissenschaftlichen Verständnis orientierter Wissenschaftsbegriff sich möglicherweise als geeigneter für die Beschreibung der Realität gegenwärtiger Forschung in den verschiedenen Wissenschaftsbereichen erweist als der noch dominierende und eher an klassischen Naturwissenschaften orientierte” (Beiner).
Doppelte Historizität