Richard Rogers über ökologische Architektur, Politik und den Streit mit Prinz Charles
Der 1933 in Florenz geborene Richard Rogers zählt zu den einflussreichsten Architekten Grossbritanniens. Zusammen mit Renzo Piano realisierte er das Centre Pompidou in Paris. Sein besonderes Interesse gilt dem Städtebau. Mit Lord Rogers sprach Carsten Krohn in London.
Lord Rogers, warum braucht es ökologische Architektur?
Richard Rogers: Die Menschheit ist vom Klimawandel bedroht. Es droht eine weltweite Katastrophe. Bald sehen wir möglicherweise den Meeresspiegel steigen und die Pole schmelzen. Es erwartet uns eine globale Krise. Da trägt jeder Einzelne Verantwortung. Ich für meinen Teil versuche Gebäude mit einem minimalen Energiebedarf und einem minimalen Kohlendioxidausstoss zu entwickeln. Alle meine Bauten zeichnen sich durch ein hohes Mass an Umweltbewusstsein aus.
Seit wann interessieren Sie sich für diesen Aspekt?
Das erste ökologische Gebäude war das «Zip Up»-Haus von 1968. Es war extrem isoliert. Ein kleiner Ofen genügte, um es zu heizen.
Zu dieser Zeit propagierten Ihre Kollegen von der Gruppe Archigram die «Wegwerfarchitektur».
Ich lernte auch von den Kollegen von Archigram, die ich sehr verehre, wenngleich ich stärker soziologisch und politisch orientiert war als sie. Und da war Buckminster Fuller, der die Idee formulierte, dass wir uns in einer Kapsel mit begrenzten Energieressourcen befinden. Er sagte, dass es notwendig sei zu wissen, wie viel Energie ein Haus hinsichtlich Material, Arbeitszeit und Unterhalt benötige. Ich betrachte Buckminster Fuller als den Vater der Umweltbewegung.