Bereichert sich Google an den Web-Seiten von Online-Medien? Krishna Bharat, Erfinder von Googles Nachrichtenaggregator, erklärt, was die Maschine auswerten soll, warum sie Vielfalt fördert – und wie sie eines Tages Scoops entdecken soll.
SPIEGEL ONLINE: Ein Reporter hat einen Monat lang undercover in Mogadischu gelebt, der Hauptstadt Somalias, schreibt eine Reportage über das gefährlichste Land der Welt, in dem kein anderer Journalist unterwegs ist und aus dem niemand berichtet. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, diese exklusive Geschichte auf Google News zu finden?
Bharat: Gering. Das Ziel des aktuellen Modells ist es, Nachrichten zu strukturieren, die viele Quellen melden. Ein Stück aufwendiger, exklusiver Recherche von einer einzigen Quelle zu einem Thema, über das so niemand sonst schreiben kann, taucht derzeit nicht in Google News auf. Manchmal haben solche Stücke einen Nachrichtenwert, an dem andere Medien nicht vorbeikönnen, und zitieren es. Dann finden Leser solch ein Stück auf Google News.
SPIEGEL ONLINE: Google News fördert also Konformität.
Bharat: Nein. Ich war am 11. September 2001 auf einer Such-Konferenz in New Orleans und merkte, wie mühsam es war, Nachrichten aus verschiedenen Quellen zu einem Thema schnell und effizient zu verfolgen. Mir ging es darum, unterschiedliche Quellen und Perspektiven leicht zugänglich zu machen. Ich wollte, dass die US-Öffentlichkeit die Sichtweisen aus Amerika, Europa und dem Nahen Osten liest, bevor eine Entscheidung für einen Krieg fällt. Heute wertet Google News rund 5000 englischsprachige Publikationen aus.
SPIEGEL ONLINE: Und eine Software berechnet, was relevant ist.
Bharat: Wir analysieren und bilden ab, was Journalisten für relevant halten und wie sie gewichten. Wir treffen keine journalistischen Entscheidungen bei der Auswahl der Nachrichten auf Google News.
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