Die iranisch-deutsche Filmemacherin und Autorin Siba Shakib über scheinheilige Mullahs, den amoralischen Märtyrer Mussawi und warum es gut ist, dass er nicht Präsident geworden ist.
Ich gehöre nicht zu den Iranern, die fliehen mussten und nicht mehr einreisen können. Ich bin regelmäßig im Iran, weil ich dort Familie, Freunde und Kollegen habe. Und ich reise dorthin für Dreharbeiten und für Recherchen wie für mein letztes Buch “Eskandar” zum Beispiel. Der Iran ist meine Heimat, und die lebt in mir.
Was berichten Ihnen Ihre Freunde und Verwandten zurzeit?
Die Kommunikation ist schwierig, Leitungen werden gekappt, Internetverbindungen gesperrt und Mobiltelefonnetze abgeschaltet. Interessant ist aber, dass Informationen, Bilder, Parolen, wenn sie den Weg nach Europa und in die USA schaffen, auf diesem Weg zurück in den Iran gelangen – und zwar ins gesamte Land. Wenn man mittendrin im Geschehen und in Demonstrationen ist, ist man darauf angewiesen, zu erfahren, was in anderen Stadtteilen und Städten des Landes geschehen ist. Die neuen Medien und Kommunikationsmittel machen es möglich, dass innerhalb von Minuten, allenfalls Stunden Informationen um die Welt gehen. Denken Sie an das Video von der jungen Frau Neda, die erschossen worden ist. Es ist ein zentrales Phänomen dieser Bewegung, dass sie wesentlich von Menschen im Ausland gestützt wird. Die weltweite Aufmerksamkeit und Solidarität der Menschen ist die Lebensader der Bewegung und der Menschen im Iran.
Liest man die in Englisch geschriebenen Protestschilder, könnte man meinen, die Bewegung kommuniziere mit der westlichen Welt.
So ist es. Die Botschaft ist eindeutig: Seht her, wir sind nicht naiv oder gar dumm, wir wissen ganz genau, woran es uns mangelt und was wir wollen. Wir sind modern, nicht nur, weil wir moderne Kommunikationsmittel benutzen, und wir wollen eine moderne Gesellschaft.
Modern? Wie passt denn der Revo-lutionsausruf Allahuakbar dazu, der jetzt wieder überall ertönt?