Interview mit Amir Sheikhzadegan “Das war eine Schule der Demokratie”

Von Alessandro Topa – Seit langem verfolgt der Soziologe Amir Sheikhzadegan den politischen Diskurs im Iran. Ein Gespräch über die “grüne” Protestbewegung, die Rolle der Frauen und den Kampf um den Begriff der Nation

taz: Wie haben Sie die letzten Wochen erlebt, Herr Sheikhzadegan?
Amir Sheikhzadegan:
Ich bin sehr unruhig. Es war eine Mischung aus Hoffnung, Freude, Trauer und Angst. Nun hat die Phase der Geständnisse begonnen: Inhaftierte Journalisten, Politiker und Demonstranten werden gezwungen, auszusagen, im Auftrag des Auslands auf eine samtene Revolution hingewirkt zu haben. So externalisiert man das Problem. Das unschuldige Volk wurde vom Feind in die Irre geführt, lautet die Botschaft.


In Europa war man überrascht über die Stärke der Proteste. Wie kam es zu diesem demokratischen Bewusstsein und Willen, der sich hier Ausdruck verschafft? Wichtig ist die historische Entkopplung von Antiimperialismus und Kampf für die Demokratie. In der Ideologie der Revolutionäre waren das zwei untrennbare Anliegen. Selbst unter Mossadegh, dem wohl liberalsten iranischen Führer des 20. Jahrhunderts, gab es einen starken antiimperialistischen Impetus. Mit der politischen Öffnung unter Chatami konnte man jedoch sehen, dass die Bevölkerung kein Interesse mehr am Antiimperialismus hatte.

…weiterlesen auf taz

Tags: ,