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Ich, der Tausendfüßler – Von Gregor Gysi
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Ein Plädoyer für die Kunst der Rede in der Welt der Politik

Was ist eigentlich Rhetorik? Rhetorik, übersetzbar als Redekunst, stammt aus der griechischen Antike und spielte insbesondere bei den meinungsbildenden Prozessen in Athen eine herausragende Rolle. Als Aufgabe der Rede galt, die Zuhörer von einer Aussage zu überzeugen oder zu einer bestimmten Handlung oder Unterlassung zu bewegen. Schon bald gab es Rhetoriklehrer, einige hatten einen schlechten Ruf, insofern sie es auf bloße Überredung anlegten und der sophistischen Meinung anhingen, dass eine Wahrheit nicht existiere oder, wenn doch, diese nicht erkennbar sei. Letzteres stimmt ja gelegentlich bis heute.

So konnte der Rhetorik in Platon, dessen Zerrbild der Sophistik bis heute nachwirkt, ein wirkungsmächtiger Gegner erwachsen, der die Redekunst als Überredung, Scheinkunst und Schmeichelei kritisierte und für zur Wahrheitserkenntnis untauglich erklärte. Rehabilitierung kam dann von dem Platon-Schüler Aristoteles, der mit seiner Rhetorik das bis heute folgenreichste Lehrbuch einer rhetorischen Argumentationstheorie schrieb und ihre Aufgabe darin bestimmte, jetzt zitiere ich: »nicht zu überreden, sondern zu untersuchen, was an jeder Sache Glaubwürdiges vorhanden ist«.

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