“Halten Sie mich für einen Anarchisten?” – Von Johanna Schmeller

25 Jahre nach seinem Tod ist der französische Philosoph Michel Foucault so präsent, wie er es im Leben gewesen war

“Ich war sehr krank”, eröffnete Paul Michel Foucault im Februar 1984 seinen letzten Vorlesungszyklus, den er nicht wie gewohnt zum neuen Jahr beginnen konnte. Ende März beendet er ihn mit den Worten: “Es ist zu spät.” Sein übliches Pensum von 26 Vorlesungsstunden sollte er in diesem Jahr nicht einlösen. In der Pariser Bibliothèque du Saulchoir schrieb er noch den dritten und vierten Band seiner auf sechs Volumen ausgelegten “Geschichte der Sexualität” nieder. 15 Jahre lang war er immer wieder in die Rue de la Glacière gekommen, wo er Hunderte von Fotokopien machte und sich von anderen Forschern durch seinen angespannten, überernsten Gesichtsausdruck unterschied. Seit dem Ausbruch seiner – damals noch weitgehend unbekannten – Aids-Krankheit beschleunigte er seine Schritte, arbeitete wie ein Fliehender bis zur völligen Erschöpfung. Sein letztes Werk konnte er dennoch nicht mehr vollenden.

Heute sind nur wenige Philosophen ähnlich präsent in internationalen Publikationen. Foucaults Konzepte werden zur Erklärung von Biopolitik genauso überdehnt wie zur Erläuterung von auswärtigen Angelegenheiten. Foucault wird in den USA gelesen und in China. Sein Verbot, posthum Texte zu veröffentlichen, wurde umgangen, indem man Mitschriften sei-ner Studenten herausgab. Bis 2011 sollen so weitere Vorlesungstexte folgen. …weiterlesen auf Welt Online

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