Gerald Uhlig-Romero: Und trotzdem lebe ich
Die Bundestagsdebatte über die Verbindlichkeit von Patientenverfügungen erweckte bisweilen den Eindruck, die Hauptsorge schwerkranker Menschen bestehe darin, sichergestellt zu wissen, dass die Wünsche, die sie irgendwann vorher einmal geäußert haben, aufs Jota genau erfüllt werden. Lässt man die Betroffenen selbst zu Wort kommen, erfährt man zumeist anderes. Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung gehören in die Welt der Gesunden, derer, die sich Pläne, Erwartungen und Hoffnungen leisten können. Wer hingegen erleben muss, wie sein Körper verfällt, wem die Zukunft zusammenschnurrt auf den Zeitraum bis zur nächsten Blutuntersuchung und schließlich bis zum nächsten Morphiumpflaster, der hat vor allem die Angst vor der großen Passage zu meistern, die ihm bevorsteht.
Wer noch nicht vom Wissen um den nahen Tod gezeichnet ist, pflegt über diese Angst nicht zu reden. Unbekannt aber ist sie niemandem, der das Alter erreicht hat, in dem die Abnutzung des Körpers sichtbar zu werden beginnt und die ersten ernsthaften Krankheiten sich einstellen. Thomas Mann – ausgerechnet er! – hat gut reden mit seiner Mahnung, man solle dem Tod keine Macht einräumen über die eigenen Gedanken. …weiterlesen auf FAZ
Tags: Angst, Patientenverfügungen