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Führen mit mehr Geist oder mehr Hirn – Von Reinhardt Wandtner

Hirnforscher müssen Optimisten sein. Wie sonst ließe es sich erklären, dass sie angesichts des kühnen Vorhabens, das Denkorgan mit Hilfe ebendieses Denkorgans zu enträtseln, nicht verzweifeln.

Vielmehr erleben die Neurowissenschaften seit vielen Jahren eine nie dagewesene Blütezeit. Längst geht es nicht mehr nur um Grundlagenforschung und ein besseres Verständnis von krankhaften Störungen. Immer häufiger lockt auch die Anwendung des gewonnenen Wissens, und zwar nicht nur, wie zu erwarten, in der Medizin, sondern auch auf zunächst überraschenden Feldern.

Nach der Neuroökonomie, bei der sich Neurowissenschaften und Wirtschaftswissenschaften vermählt haben, um zum Beispiel herauszufinden, wie man Kaufentscheidungen beeinflussen kann, verheißt nun ein mit dem Begriff „Neuroleadership“ belegter Vorstoß betriebswirtschaftlichen Nutzen. Aufgrund neurowissenschaftlicher Erkenntnisse sollen Führungskräfte befähigt werden, „gehirngerechter“ zu entscheiden, wie Christian Elger das ausdrückt. Elger ist Direktor der Universitätsklinik für Epileptologie in Bonn und Wissenschaftlicher Geschäftsführer des dort ansässigen Unternehmens Life&Brain. Er sieht ein großes Potential für das noch in den Kinderschuhen steckende Forschungsgebiet, wie sein unlängst erschienenes Buch „Neuroleadership“ zeigt (Rudolf Haufe Verlag, Planegg/München 2009).

Zwar nimmt Elger jene Skeptiker durchaus ernst, die argwöhnen, der 2006 in den Vereinigten Staaten geschaffene Begriff sei lediglich ein neues Wort für alte Inhalte beim Training von Führungskräften. Andererseits steht für den Wissenschaftler fest, dass die Hirnforschung zunehmend mit der klassischen Psychologie konkurriert, sie ergänzt, prüft und mitunter zu komplett neuen Ergebnissen kommt.

Ein Milliarden-System

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