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Es soll kein Zwang sein im Glauben – Von Peter Schütt
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Schiitische Geistliche gehen auf Distanz zum iranischen Regime. Ihre Stimme hat Gewicht in der Bevölkerung

Drei Wochen nach der Wahl im Iran ergriff im Islamischen Zentrum an der Hamburger Außenalster ein Gastprediger das Wort, Hodschatoleslam Seyed Haschemian, Leiter der Iranischen Gemeinde in Berlin. In den Mittelpunkt seiner Freitagspredigt stellte er den Vers 26 aus der dritten Sure des Koran: “Sprich: O Gott, Herr der Herrschaft, Du gibst die Herrschaft, wem Du willst, und Du entziehst die Herrschaft, wem Du willst. Du machst mächtig, wen Du willst, und Du erniedrigst, wen Du willst. In Deiner Hand ist das Gute, Du hast zu allem die Macht.” Auch derjenige, dem der Koran ein Buch mit sieben Siegeln ist, kann angesichts der aktuellen Lage im Iran ahnen, welche Aussagekraft einem solchen Koranzitat innewohnen kann. Zudem hat es mit diesem Vers eine besonders Bewandtnis. Lange Jahre war dieser Vers über dem Eingang zum Schahpalast im Norden Teherans eingraviert, der nach der Islamischen Revolution in ein Museum über die Verbrechen des Schahregimes umgewandelt wurde.

Kein Zweifel: Die iranische Geistlichkeit ist seit den Massenprotesten gegen die Fälschung der Wahlergebnisse mehr denn je gespalten. Die Reihen der Theologen, die dem Revolutionsführer Chamenei und seinem Ziehsohn Ahmadinedschad bedingungslos die Treue halten, lichten sich von Tag zu Tag. Immer offener üben namhafte schiitische Geistliche nicht nur Kritik an der Wahlmanipulation und an der Unterdrückung der Protestbewegung, sondern stellen das gesamte Regierungssystem der Islamischen Republik in Frage, das wesentlich auf der “Herrschaft der Rechtsgelehrten” beruht. Die gewichtigste Absage an die “Diktatur im Namen der Religion” kam aus dem Munde des inzwischen 86-jährigen Ajatollah Montazeri. Mit bebender Stimme rief der greise Weise in seiner Freitagspredigt eine Woche nach den Wahlen die Machthaber auf: “Verschwindet! Tretet ab von der Bühne der Regierung! Die Stunde des Gerichts ist gekommen!”
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