Ein Gespräch mit Marco Bechis, Regisseur des Films “Birdwatchers”, über echte Indigenas und falsche Bilder
taz: Herr Bechis, wie sind Sie auf die Lage der Indianer im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul aufmerksam geworden?
Marco Bechis: Durch die Organisation Survival International. Ich wollte seit langem einen Film über den Völkermord an den lateinamerikanischen Indianern drehen bzw. über diejenigen, die ihn überlebt haben. Gedacht war das als Kontrapunkt, aber auch als Ergänzung zu den Filmen, die ich über diejenigen gemacht habe, die während der argentinischen Militärdiktatur verschwunden sind. Zunächst hat mich das Amazonas-Gebiet interessiert, wo die Indianer noch unter relativ traditionellen Bedingungen leben. Die Guaraní-Kaiowá in Mato Grosso do Sul hingegen leben in Reservaten in der Nähe der Städte. Man würde sie auf den ersten Blick nicht als Indianer wahrnehmen, sie leben nicht mehr besonders traditionell, sie tragen Kleidung wie du und ich, und der Urwald, ihr Lebensraum, ist kaum noch da.
Wie kamen Sie dazu, mit Laienschauspielern zu arbeiten?
Je mehr Guaraní-Kaiowás ich kennen lernte, umso besser begriff ich, dass sie großes schauspielerisches Talent und großes rhetorisches Geschick besitzen. Sie treten sehr entschieden auf. Nach und nach wurde mir klar, dass es ein Fehler wäre, nach indigen aussehenden Schauspielern zu suchen in Bolivien meinetwegen oder in São Paulo. Fast war es so, dass sie mich dazu brachten, den Film zu drehen, und nicht ich sie.
Wie ging das Schauspieler-Werden denn konkret vonstatten?