Wie mafiös ist das deutsche Regietheater? Die Argumente in Daniel Kehlmanns Salzburger Rede sind ideologische Leichen im Beton der Fundamente
Keine achtundvierzig Stunden, nachdem der Schriftsteller Daniel Kehlmann auf der Bühne der Salzburger Felsenreitschule seinen Vater für einen Pauschalangriff auf das Regietheater missbraucht hatte, fand die erste Schauspielpremiere der Festspiele statt. Der Regietheater-Regisseur Sebastian Nübling inszenierte “Judith”, frei nach Friedrich Hebbel und Antonio Vivaldi. Der Abend wirkte, als habe Kehlmann ihn eigens bestellt, um seine These bestätigt zu sehen, dass das deutsche Theater fest in der Hand eines schmutzigen Regie-Kartells sei. Dessen Kunstanspruch beruhe auf reiner Publikumserpressung und treibe den Beifall ein wie die Mafia ihre Schutzgelder: Wenn ihr nicht akklamiert, seid ihr reaktionäre Philister, also gesellschaftlich tot. Heillose Zustände herrschten auf den Bühnen, so Kehlmann; wohin man auch blickt – Video, Willkür und hysterisches Geschrei. Und wer nicht mitmache bei den Spaghetti-Schlachten, bekomme bald keine Aufträge mehr.