Am Neuen Platz in Klagenfurt thront ein Lindwurm, der einst Angst und Schrecken verbreitete, ehe eine Handvoll listige Ritter ihn erledigte.
Doch weil die Menschen selbst das Standbild noch fürchteten, stellte man im siebzehnten Jahrhundert dem Biest einen Herkules mit Morgenstern gegenüber, der es bis heute bewacht. Manch einer der vierzehn Schriftsteller, die jetzt am Klagenfurter Wettbewerb der 33. Tage der deutschsprachigen Literatur teilnahmen, mag sich im Angesicht des siebenköpfigen Jury-Ungeheuers Herkules an die Seite gewünscht haben.
Die Klage über die schreckenverbreitende Klagenfurter Jury ist ja so alt wie der Wettbewerb selbst. Doch der öffentliche Disput macht den Reiz dieser ältesten Casting-Show des Fernsehens erst aus. Und die Juroren unter dem gewissenhaften Vorsitz von Burkhard Spinnen machten ihre Sache gut. Man wunderte sich über manche Sachfrage, deren Klärung in die Vorbereitung gehört, doch dann waren die dreißig Minuten, in denen ein Werk auf der Bühne des ORF-Theaters und vor vollbesetzten Zuschauerrängen diskutiert, gedeutet, gelobt, geliebt und manchmal eben zerpflückt wurde, oft spannender als die halbstündige Lesung zuvor. Das spricht für wie gegen die Jury, die mit Urteilskraft und Eloquenz zwar brillierte, damit allerdings manchem seichten Werk unangebrachte Tiefe verlieh. …weiterlesen auf FAZ