Die Leichtdenker – Von Axel Brüggemann

In der Krise wächst die Sehnsucht nach Visionen. Doch die Kunst der Weisheit verkommt zu belanglosem Philotainment. Alles dreht sich um das private Glück. Tiefere Reflexion ist out

Achtung, Fremdwort: „Eudämonologie“! Frei übersetzt bedeutet das so viel wie: „Glück kommt selten allein.“ Oder: „Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?“ Man könnte auch sagen: „Du musst dein Leben ändern.“

Die meisten aktuellen philosophischen Bestseller lassen sich der „Eudämonologie“ zuordnen, also der Lehre vom Glück. Aber natürlich nennen weder der (Seelen-)Doktor-Clown Eckhart von Hirschhausen noch der Bestseller-Nachdenker Richard David Precht und nicht einmal der Philosoph Peter Sloterdijk ihre Bücher „Eudämonologie“ oder „Eudämonik“. Das könnte daran liegen, dass ein Buch mit diesem Titel schon vorliegt – geschrieben hat es der 1860 verstorbene Arthur Schopenhauer. Es könnte aber auch damit zusammenhängen, dass die bisherige „Eudämonologie“ eher ernüchternd ausgefallen ist – und damit eigentlich ein verkaufshemmendes Thema ist.

Während die neuen Denker das vollendete Glück versprechen, konfrontiert Schopenhauer seine Leser mit der Desillusion des Glücksbegriffs: „In Arkadien geboren sind wir alle. Das heißt, wir treten in eine Welt voll Ansprüche auf Glück und Genuss und bewahren die törichte Hoffnung, solche durchzusetzen, bis das Schicksal uns unsanft packt und uns zeigt, dass nichts unser ist, sondern alles sein, da es ein unbestreitbares Recht hat nicht nur auf all unsern Besitz und Erwerb, sondern auf Arm und Bein, Auge und Ohr, ja auf die Nase mitten im Gesicht.“ Nein, so schreibt man keinen Bestseller mehr!

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