Twitter statt Molotow-Cocktails: Protestler und Machthaber fechten in diesem Sommer in Iran und China einen komplexen Kampf aus. Elias Canettis Standardwerk “Masse und Macht” verdeutlicht, wie sich Menschen führerlos organisieren. Am Web 2.0 hätte der Nobelpreisträger seine helle Freude gehabt.
Kaum ein Philosoph hat den Massentrieb der Menschheit und die Strukturen der Gewaltherrschaft so leidenschaftlich zu ergründen versucht wie Elias Canetti. Sein Hauptwerk “Masse und Macht” wurde nach 20-jähriger Arbeit 1960 veröffentlicht; 1981 wurde Canetti unter anderem dafür der Nobelpreis verliehen. Es geht um Macht und Ohnmacht, um Leben und Tod – und wenn man die heutigen Konflikte in Iran und China betrachtet, dann scheint es fast, als hätte Canetti vor 50 Jahren einen 500 Seiten langen Brief an die Zukunft geschrieben.