Warum es keinen krisenfesten Kapitalismus geben kann
Wenn es in der Begleitmusik dieser Wirtschaftskrise einen hartnäckig vorklingenden Ton gibt, dann ist es der moralische: als wäre die gegenwärtige Misere das bei besserem Willen und besserer Kontrolle vermeidbare Resultat eines Exzesses statt logisches Produkt des ökonomischen Systems, wie wir es nun einmal haben. Angesehene Wissenschaftler wie Meinhard Miegel oder Paul Kirchhof verblüffen durch offensiven Verzicht auf theoretische Bemühung. “Wachstum, Wachstum” gibt einer von ihnen genervt zu Protokoll, “dieser Wachstumswahn ist jetzt mit der Wirklichkeit kollidiert.”
Bloß, was heißt Wirklichkeit unter den Bedingungen unseres Wirtschaftssystems? Wirklich ist, was wirkt. Ein Mercedes ist ein gutes Auto. Doch lässt es sich derzeit nicht in ausreichender Stückzahl verkaufen. Seine anfassbare Qualität hilft ihm da gar nichts, sie ist weniger wirklich als seine plötzliche Unverkäuflichkeit: Diese ist die Realität, die für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber nunmehr gilt, nicht das sinnlich-anschauliche Element. Der Zuschnitt des ökonomischen Systems bringt es also mit sich, dass das Sichtbare das Unwirkliche und das Wirkliche das Unsichtbare wird. Das Physische ist der Schein und das Metaphysische das Reale – an diese ebenso schlichte wie abgründige Wahrheit erinnerte in diesen Tagen ausgerechnet Josef Ackermann, als er sich in der FAZ mit seinem Lehrer Hans Christoph Binswanger über die Geldschöpfung als magisches Unternehmen unterhielt.
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