Der Nihilist vom Río de la Plata – Von Gerhard Dilger und Karl-Ludolf Hübener

Am 1. Juli würde der uruguayische Schriftsteller Juan Carlos Onetti, Autor von “Die Werft” und “Für diese Nacht”, 100 Jahre alt. Mario Vargas Llosa würdigt ihn heute in Frankfurt

Fünfzehn Jahre nach Juan Carlos Onettis Tod in Madrid und pünktlich zu seinem 100. Geburtstag am 1. Juli haben die Verehrer des uruguayischen Romanciers am Río de la Plata in Spanien und auch in Deutschland einen beträchtlichen Publicitywirbel entfacht. Der prominenteste ist der Schriftsteller Mario Vargas Llosa mit seiner neuen Studie “Die Welt des Juan Carlos Onetti”.

Onetti wurde vor allem im Sog des “Booms” lateinamerikanischer Literatur in den 1970ern international bekannt. Da reihte man ihn unter die ganz Großen ein, irgendwo zwischen dem Argentinier Jorge Luis Borges und Gabriel García Márquez aus Kolumbien. Im Jahr 1980 erhielt Onetti die wichtigste Literaturauszeichnung in der spanischsprachigen Welt, den Cervantespreis. Doch bis heute gilt er als schwierig zu lesen – als düsterer, tief pessimistischer Sonderling.

In Uruguay fällt der Kontrast zu Mario Benedetti auf, seinem Freund und vor Kurzem verstorbenen Landsmann. Man verehrt ihn dort wie einen Popstar. Onetti hingegen blieb ein Außenseiter, dem alles Bürgerliche bis hin zum etablierten Literaturbetrieb zuwider war.

Die fiktive Provinzstadt Santa María ist jener Mikrokosmos, in dem die meisten von Onettis Erzählungen spielen, ähnlich wie das in den US-Südstaaten angesiedelte Yoknapatawpha County seines großen Vorbilds William Faulkner. Santa María ist das literarische Pendant zur Großregion des Río de la Plata, die Buenos Aires umfasst, wo Onetti fünfzehn Jahre lang wohnte, samt Montevideo als Hinterland.

Milchiger Himmel

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