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Der Meister des Zweifelns – Von Von Wolf Lepenies
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Die unaufhebbare Spannung von Glaube und Vernunft prägte Leben und Werk von Leszek Kolakowski, der am Freitag starb

Der Triumph der mittel- und osteuropäischen Protestbewegungen erreichte 1989 mit dem Fall der Berliner Mauer seinen Höhepunkt. Ihm ging ein langer, immer wieder von Rückschlägen unterbrochener Kampf gegen die Ideologie des Staatssozialismus voraus. Helden der siebziger und achtziger Jahre wie Lech Walesa in Polen und Vaclav Havel in der Tschechoslowakei kämpften gegen eine bereits morsch gewordene Weltanschauung, gegen einen Marxismus-Leninismus, der längst als Marxismus-Senilismus verspottet wurde. Zur Entlegitimierung dieser Ideologie hat niemand mehr beigetragen als Leszek Kolakowski.

Kolakowski wurde 1927 in Radom in der Nähe von Warschau geboren. Während der deutschen Besetzung Polens ermordete die Gestapo seinen Vater. Die Abscheu vor dem Nationalsozialismus erklärt, warum Kolakowski, der Philosophie und Theologie studiert hatte, zum orthodoxen Kommunisten werden konnte. Schon Mitte der fünfziger Jahre aber wurde der junge Dozent an der Universität Warschau zu einem Wegbereiter des “Polnischen Oktober”. 1966 wurde er aus der Kommunistischen Partei ausgeschlossen und verlor danach auch seinen philosophischen Lehrstuhl. Bedeutende Universitäten in Europa und den USA umwarben ihn. Als Jürgen Habermas seine Berufung an die Universität Frankfurt ins Spiel brachte, lehnte Kolakowski ab. Bei dieser Gelegenheit erfuhr er, der Autor des ironischen Pamphlets “Was ist Sozialismus?”, dass der linke Dogmatismus im Westen lebendig geblieben war. Um sein Kommen zu verhindern, hatte die Fachschaft des Philosophischen Seminars dem damals in Berkeley lehrenden Philosophen eine Misstrauenserklärung übermittelt und ihn damit zur akademischen persona non grata erklärt.

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