Zur großen Kelten-Schau in Bern: Über die Bedeutung der alten Weisen – und warum sie in der Esoterik-Szene so beliebt sind
Die gute Nachricht für alle Fans der Druiden ist: Sie haben wohl tatsächlich Misteln geschnitten,um daraus Tränke zuzubereiten. Aber die „Sichel“, die sie dafür benutzten, war wohl eher ein Messer oder eine Hippe, und aus Gold war sie natürlich auch nicht, sondern bestenfalls aus vergoldeter Bronze – denn Gold ist viel zu weich.
Aber die Legende über diesen Ritus, den vom „Asterix“-Leser bis hin zum neoheidnischen Priester jeder kennt, ist noch die harmloseste Verzerrung. Denn mit den Nachrichten über die Männer, die bei den vorchristlichen Galliern vermutlich die Rolle berufsmäßiger Naturweiser und Volkserzieher ausübten, verhält es sich wie mit den meisten Überlieferungen aus der Antike: Das wenige, was wir wissen, stammt von Männern, die die Kultur und die Sprache fremder Barbarenvölker nicht verstanden und die bloß Jahrzehnte oder Jahrhunderte nach dem eigentlichen Geschehen umformulierten, was andere vor ihnen geschrieben hatten. Dennoch ist die Faszination für Druiden so anhaltend, dass jetzt gleich zwei neue Bücher wieder einmal versuchen, die Wahrheit hinter dem Mythos zu entdecken: Das eine stammt vom deutschen Keltenforscher Bernhard Maier, das andere von dem französischen, vor allem mit Ausgrabungen gallischer Altertümer beschäftigten Archäologen Jean-Louis Brunaux.