Coco Chanel: Der stolze Würgeengel

Von Mara Delius – Ich bin erbarmungslos,  so vornehm wie wild, so unnahbar wie verrucht, und weil ich so bin, habe ich das eine erreicht: dass ihr mich jetzt anseht und euch fragt, wer ich wirklich bin. Wer wäre ich denn, mein Geheimnis zu enthüllen und mich euch zu erklären, ich denke ja gar nicht daran!” Aufrecht, mit erhobenem Kopf und funkelndem Blick, die roten Lippen fest aufeinander, spitz in der Hand die brennende Zigarette.

So wie sie da sitzt, diese Coco Chanel, kann man sich nicht vorstellen, dass sie anfängt, von sich zu erzählen. Eher stellt man sich vor, sie würde noch einmal an der Zigarette ziehen, kurz und scharf den Rauch einatmen und wortlos aufstehen, um mit kleinen festen Schritten dahin zu verschwinden, wo sie hergekommen zu sein scheint: aus einer Zeit, in der sie in Vorbereitung auf einen Abend in einer Bar in ihr palastartiges Schlafzimmer ging, sich hinter einem chinesischen Paravent umzog, heraus aus dem Kostüm, hinein ins Kleid, noch auf die Schildpattuhr auf der Anrichte sah, dann rasch die Haare zu einem muschelförmigen Gebilde drehte, den Edelstein ins parfümierte Ohr setzte, nach den Straußenlederhandschuhen griff und sich ins Auto schwang, um sich in eine Nacht fahren zu lassen, die das einlösen sollte, was all diese Dinge ihr versprachen. Nein, erzählen würde sie davon ganz bestimmt nicht. Der Vorhang einer mondänen Welt würde sich lautlos hinter ihr schließen – und das Einzige, was bliebe, wäre der Geruch von Rauch und Parfüm.

Jugend in der Auvergne

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