Bulldozer auf der Seidenstrasse – Von Matthias Messmer

Wenn nicht bald etwas geschieht, wird in der westchinesischen Provinz Xinjiang ein Kulturfrevel stattfinden, der an die Zerstörung der Buddha-Statuen von Bamian erinnert. Die Behörden planen, die muslimische Altstadt von Kashgar an der Seidenstrasse fast ganz abzureissen.

Man könnte Tränen weinen, für sich allein, wie im Jahr 2001, als die Taliban in Afghanistan die prächtigen Buddha-Statuen von Bamian sprengten. Oder mit anderen gemeinsam protestieren, wie im Vorfeld der Olympischen Spiele vor einem Jahr, als zahlreiche Hutongs, Pekings jahrhundertealte Quartiere, einem modernen Stadtplan weichen mussten. Doch Trauer wie Auflehnung versprechen wenig zu bewirken in einem Land wie China, das Geschichte nur dann respektiert, wenn es der Politik gerade dienlich ist. Lieber verheisst man den Massen eine noch bessere Zukunft im Dienste und zum Wohle aller, als dem Einzelnen ein Recht auf das eigene Erbe und seit Generationen überlieferte Lebenswelten zuzugestehen. «Harmonische Bedingungen» werden in einem Einparteienstaat von oben festgelegt.

Dass auch Stadtplanung zu diesem Harmonie-Konzept gehört, erfahren zurzeit die Einwohner der 3,5-Millionen-Stadt Kashgar im Westen Chinas. Die Situation in diesem an der einstigen Seidenstrasse gelegenen Ort mit seiner mehr als zweitausendjährigen Geschichte ist insofern von höchster Brisanz, als die Stadt zu neunzig Prozent von Uiguren bewohnt wird, sich taktloses Verhalten der «fremden» Machthaber daher leicht in politischen Sprengstoff verwandeln kann.

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