Berliner Poesiefestival präsentiert begabte Satirikerin

Mythos und Form: Am Sonnabend liest die Russin Olga Sedakova beim Poesiefestival Berlin

In der österreichischen Literaturzeitschrift „Wespennest“ versuchte sie einmal zu beantworten, was Poesie mit Anthropologie zu tun habe. Kann Lyrik helfen, etwas über uns zu erfahren? Die russische Dichterin Olga Sedakova, die jahrelang nur in Untergrundzeitschriften veröffentlichen konnte, kommt dabei auch auf einen Dissidenten aus den siebziger Jahren zu sprechen, den die täglichen Verhöre und Schikanen beinahe dazu brachten, „alles zu unterschreiben“.

Im schlimmsten Moment aber, so Sedakova, sei ihm „Theta und Iota der griechischen Flöte“, ein Gedicht von Ossip Mandelstam eingefallen, das er auswendig wusste: „Ich dachte – genau das ist es. Hier ist eine ganze Welt, alles, und ich befinde mich in Kommunion mit ihr. Nach diesem Erlebnis war ich überzeugt, dass ich jetzt nichts mehr unterschreiben werde. Es war einfach nicht mehr möglich“, so der Dissident im Rückblick. Ein beinahe mystischer Moment, der mit politisch-moralischer Erweckung im engeren Sinne nichts zu tun hat. Dazu gibt Mandelstams in Symbolen von Sprache und Musik sprechendes Gedicht auch keinen Anlass.

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