Joseph Roth in Berlin: eine Erinnerung an seine turbulenten Feuilletons – und die Zeitungswelt der zwanziger Jahre
Warum Joseph Roth im Juni 1920 nach Berlin kam? Ihn habe die Liebe und die Furcht, seine Freiheit zu verlieren, gezwungen, schrieb er. Aber auch: „Die Inflation hat mich aus Wien vertrieben. Ich bin nach Berlin gefahren, wo es ‚etwas zu verdienen‘ gab.“ „Der Neue Tag“, für den er in Wien in einem Jahr über hundert Artikel geschrieben hatte, war Ende April 1920 eingestellt worden. In Berlin schrieb Roth für die „Neue Berliner Zeitung“ (ab 1922 „12-Uhr-Blatt“), für den „Berliner Börsen-Courier“ wie für den „Vorwärts“, für die satirischen Zeitschriften „Der Drache“ und „Lachen links“, später für „Das Tagebuch“ und die „Weltbühne“, aber auch für das „Prager Tagblatt“ oder die „Frankfurter Zeitung“, deren Paris-Korrespondent er im Frühjahr 1925 wurde.
Zu pendeln war für Kulturjournalisten damals nichts Singuläres. So zog es in den Nachkriegsjahren die Berliner und Reichsdeutschen in die valutastärkeren Städte Wien und Prag, dann ging die Bewegung in umgekehrte Richtung, auf dem Höhepunkt der Inflation „los von Berlin“ und in den Stabilitätsjahren wieder zurück. Ob Egon Erwin Kisch, Roda Roda, Egon Friedell oder Alfred Polgar – sie alle pendelten mehr oder weniger oft zwischen Wien und Berlin. …weiterlesen auf Tagesspiegel
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