Italiens Kulturerbe zwischen Staat und Regime
Eine durch Natur und Geschichte geformte Landschaft samt ihrer Besiedlung, mit Monumenten und Kunstwerken aus über drei Jahrtausenden: Das macht Italien für Aussenstehende attraktiv und ermöglicht den Italienern trotz allem die Identifikation mit ihrem Land. Seit Monaten läuft nun in den Tageszeitungen die Debatte um die immer prekärer werdende Situation jener Institutionen, die für die Erhaltung und Nutzung dieses Reichtums zuständig sind. Einen nachhaltigen Schock bewirkte Ende Februar die Demission des Archäologen und Kunsthistorikers Salvatore Settis, der kompetentesten und engagiertesten Stimme in dieser Debatte, vom Präsidium des Obersten Rates für die Kulturgüter (Consiglio Superiore dei Beni Culturali). Dabei handelt es sich um ein dem zuständigen Minister zur Seite gestelltes, aber unabhängiges, mehrheitlich aus hochqualifizierten Fachvertretern bestehendes Gremium, das zwar zu Rat-, nicht aber zu Vorschlägen berechtigt ist. Trotzdem liess die Demission durch ihre Begründung aufhorchen: den Versuch, das nicht politisch, sondern technisch-wissenschaftlich konzipierte Organ zum Sprachrohr des Ministers umzufunktionieren. Was die ganze, sich seit Jahren verschlimmernde Misere im Bereich der Kulturgüter in einem durchaus beunruhigenden Licht erscheinen lässt.